Finalsätze (finale Infinitv- und Nebensätze) mit "um...zu" und "damit" und Kausalsätze

Finalsätze können in der Regel auch durch einen Kausalsatz mit "weil" plus Modalverb ausgedrückt werden. Allerdings erscheint ein Finalsatz oft neutraler - durch die Modalverben im Kausalsatz werden Gründe eingeführt, die im Finalsatz nicht explizit ausgedrückt werden. Das Resultat/Ziel ist allerdings gleich.

Ich lerne jeden Tag Deutsch, damit ich die Prüfung bestehe.
Ich lerne jeden Tag Deutsch, weil ich die Prüfung bestehen will/möchte/muss.

Gleichzeitig muss klar sein, dass im Gegenzug nicht alle Kausalsätze als Finalsatz gebildet werden können:

Sie bekommt den Nobelpreis, weil sie wichtige Entdeckungen im Bereich Physik gemacht hat.

 

Ein weiterer Punkt ist, dass in Grammatiken normalerweise darauf hingewiesen wird, dass Finalsätze nur dann mit "um ... zu" gebildet werden können, wenn das Subjekt im Haupt- und Nebensatz dasselbe ist. 

Der Grund hierfür ist, dass der Finalsatz mit "um ... zu" formal eine Infinitivkonstruktion ist, die hier die Funktion eines Nebensatzes übernimmt.
Infinitvkonstruktionen sind zwar immer subjektlos,
 semantisch ist aber ein Subjekt hinzuzudenken - und dies ist normalerweise das Subjekt des Hauptsatzes.

Zum Beispiel:

Ich mache Sport. Ich möchte abnehmen. -> Ich mache Sport, um abzunehmen.

Allerdings gibt es durchaus Beispiele, in denen das imaginäre Subjekt des Nebensatzes nicht dem Subjekt des Hauptsatzes entspricht, sondern dem Akkusativ- oder Dativobjekt:

Sabines Eltern haben ihr Geld gegeben. Sie soll einen Sprackurs besuchen.
-> Sabines Eltern haben ihr Geld gegeben, um einen Sprachkurs zu besuchen.

Die Mutter schickt ihren Sohn zum Bäcker. Er soll Brötchen kaufen.
-> Die Mutter schickt ihren Sohn zum Bäcker, um Brötchen zu kaufen.

Der Bauer brachte die Arbeiter auf das Feld. Sie sollten bei der Ernte helfen.
-> Der Bauer brachte die Arbeiter auf das Feld, um bei der Ernte zu helfen.

Dadurch sind die Finalsätze zwar theoretisch mehrdeutig (zum Beispiel: Wer macht den Sprachkurs? Die Eltern oder Sabine?), aber in der Regel semantisch eindeutig und im Alltagsgebrauch gängig und normal.